Boyens Medien vom 2.09.2016
Von den Bergen ins Watt
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Gleich geht es mit Nationalpark-Wattführer Johann-Peter Franzen hinaus ins Watt.
Karin und Jassy Schlager mit Hündin Maja freuen sich.                     Foto: Spanowsky

Büsum (rd)  Von den österreichischen Bergen ins schleswig-holsteiische Wattenmeer: Ein echtes Kontrastprogramm hatte sich Karin Schlager vorgenommen und staunte nicht schlecht über die Weite vor den Deichen.

"Das war krass und ein tolles Erlebnis, das machen wir in zwei Jahren Wieder", sagte sie nach einer Wattwanderung mit Nationalpark-Wattführer Johann-Peter Franzen in Büsum. Die Österreicherin lebt in der 20.000 Einwohner-Stadt Hallein im Bundesland Salzburg und hatte ihren mehrtägigen Aufenthalt im Nationalpark Wattenmeer samt Erlebnisprogramm bei Gewinnspiel "Berge oder Watt?" gewonnen. Dieses wurde anlässlich des 15. Geburtstages von "Fahrtziel Natur" ausgerichtet. Gemeinsam mit Ehemann Jassy und Hündin Maja übernachtete die Österreicherin im Büsumer Hotel Jess am Meer einem Nationalpark-Partner-Betrieb (www.nationalpark-partner-sh.de)

"Fahrtziel Natur" ist eine Kooperation der Umweltverbände Nabu und BUND, des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der Deutschen Bahn mit aktuell 22 Naturlandschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Gemeinsam setzen sie sich für umweltfreundlichen Mobilität und nachhaltigen Naturtourismus in den sensiblen Schutzgebieten ein. Zum Jubiläum hatte sich der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mit der Nationalparkregion Hohe Tauern zusammengetan und gemeinsam mit der Nordsee-Tourismus-Service GmbH (NTS) das Gewinnspiel "Berge oder Watt?" organisiert. "Nachhaltigkeit im Urlaub - das ist auch für uns ein wichtiges Anliegen", so Daniel Meyer von der NTS. Das Ehepaar aus Österreich zeigte sich begeistert vom Urlaubsziel Nordsee:
Es ist toll hier und mir gefällt das Gemütliche, es läuft alles ruhig ab", erklärte Karin Schlager: "Wir sind sicher nicht das letzte Mal da."
 

 

WELT - von Oliver Abraham - erschienen am 20.August 2016

Auf Sand gebaut

Blauortsand ist ein kleines Stück Land mitten in der Nordsee. Die siebenstündige Wattwanderung dorthin ein Abenteuer

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Das Wattenmeer bei Büsum sieht im Abendlicht aus wie Kupfer. Die Sonne versinkt in der Nordsee. Am Horizont ist mit dem Fernglas Seltsames erkennbar: Ein Mast steht da draußen, wo doch eigentlich nur noch Wasser sein soll. Eine Illusion.

Wer denkt, hinterm Deich hört die Welt auf, täuscht sich: Ganz weit draußen, hinter dem Irrgarten aus Salzwiesen, Wasserläufen und Sandbänken, liegen die Hochsände; Sandmassen, die bei normaler Flut nicht untergehen. Was mit dem Fernglas zu erkennen ist, ist tatsächlich ein Stück Land, der einzige Hochsand vor der Dithmarscher Küste – Blauortsand, auch Blauort genannt.

Nur im Rahmen weniger genehmigter Führungen kann und darf der Blauortsand besucht werden. Die Tour dorthin gilt als die längste reguläre Wattwanderung vor der Nordseeküste im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Johann Peter "Jan" Franzen darf eine Handvoll Gäste führen, hinein in eine geheimnisvolle Welt – je nach Wasserstand bis zu 24 Kilometer Strecke, da ein direkter Weg nicht möglich ist. Die Dauer: nicht unter sechs Stunden. Die Gruppe steht auf dem Deich von Hellschen-Heringsand-Unterschaar, hört Jan Franzen zu ("… wer doch nicht mit möchte, kann jetzt noch absagen …"), blickt in die nieselige Unendlichkeit und macht sich bereit.

Zuerst mäandriert die Gruppe durch das Vorland wie die Priele im Watt, das hier vor dem Deich noch gar nicht beginnt: Von Gräben durchzogene Salzwiesen breiten sich aus, ganz allmählich verändert sich die Landschaft. Dieses Vorland atmet Wasser im Rhythmus von Ebbe und Flut; nicht mehr Land, noch nicht Meer. Jan Franzen sucht einen Einstieg. Der starke Wind hat das Wasser bis auf das Vorland getrieben, die Gräben stehen bis zur Oberkante voll, obwohl schon seit drei Stunden ablaufendes Wasser ist. Der Wind kämmt das Gras der Salzwiesen in Wellen, Strandflieder leuchtet lila. "Zwischen Salzwiese und Watt ist der Ossengoot, ein tiefer reißender Priel direkt vor der Küste. Da kommen wir heute hier nicht durch", sagt Franzen. Nach Norden also, in die entgegengesetzte Richtung. Der Umweg kostet wertvolle Zeit. Mit auflaufendem Wasser muss die Gruppe spätestens wieder vom Blauortsand runter. Und dort muss sie erst mal hin.

"Du weißt nie, wie es da draußen aussieht – sind die Priele im Winter durch Witterung und Strömung zu tief ausgekolkt worden? Wo verlaufen sie in diesem Jahr überhaupt? Es ist immer anders, eigentlich jeden Tag", sagt Franzen und klettert in den Priel. Bis zur Hüfte sinkt er ein, das andere Ufer ist fast schulterhoch. Die ersten Leute dürfen folgen; schlittern und sinken hinein. Gehen vorsichtig durch das schlickige, unergründliche Wasser, krabbeln schließlich ans Ufer. Franzen teilt drei, vier Männer ein, die im Priel sowie am Ufer stehen bleiben und den anderen helfen. Der Wattführer ist längst vorausgegangen und testet den nächsten Priel; fünf, sechs Meter breit und gerade noch zu queren. Dass man auf dieser Tour nass und dreckig wird, dürfte nun jedem klar geworden sein. Das ist der Preis, in einer Gegend unterwegs sein zu dürfen, die sonst strikt tabu ist – aus Sicherheits- und aus Naturschutzgründen.

Hinter dem breiten Priel ändert sich die Landschaft. Ein großes, graues Nichts breitet sich aus, seltsam leer und mit diffusem Licht, Grau in Grau bis zum Horizont. Hier peilt Franzen zum ersten Mal die Richtung, der eigentliche Start für den Marsch durchs Wattenmeer: "Wir gehen jetzt zwei Stunden auf 220 Grad", erklärt er. Dabei verlässt die Gruppe langsam aber sicher das Festland – Blauortsand liegt sieben Kilometer vor der Küste – und verliert den Bezug dazu. Dies ist auch ein psychologischer Moment: loslassen und vom sicheren Grund hinaus in den unbekannten Kosmos, der in wenigen Stunden wieder drei Meter hoch überflutet sein wird. "Ich muss die Leute von der Kante wegkriegen", sagt Franzen, als er strammen Schrittes losmarschiert. Manche kostet es Überwindung, in das Unbegreifliche zu gehen. An dieser Stelle meldet Franzen die Tour per Funk dem Seenotrettungskreuzer "Theodor Storm", der Wasserschutzpolizei und beim Sperrwerk in Büsum an, die im Notfall reagieren können. Jeder weiß nun, wo die Gruppe ist. Franzen hat Sprechfunk dabei, der knapp 50 Kilometer weit reicht, Kompass, Karten, GPS, Signalpistole. Und er hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in den Dithmarscher Watten. Mit diesen Versicherungen fallen die Schritte leichter. Freude kommt auf, hier sein zu dürfen.

Nach zwei Stunden über festes Watt erreicht die Gruppe offenes Wasser. Hier peilt der Wattführer erneut: "Nun laufen wir auf 240 Grad." Bislang war die Bake – das Seezeichen – von Blauortsand der Wegmarker, nun läuft die Gruppe auf die Bake der Sandbank Tertius zu. Eine halbe Stunde geht es auf dem neuen Kurs nach Südwest, bis die Gruppe wieder an einem großen Priel steht. Franzen bittet, stehen zu bleiben, Schritt um Schritt tastet er sich hinein. Sonderlich tief ist der Wasserlauf nicht, aber es liegen viele Muscheln darin. Dies ist das schlimmste Stück Weg der ganzen Tour, doch mit Umsicht und Geduld ist auch dieses Hindernis schadlos überwunden. Erneutes Peilen, jetzt auf 200 Grad, keine Stunde mehr bis Blauortsand. Nun ändert sich die Form der Priele und Sandbänke. Das Wasser fließt schneller, die Priele haben klare Kanten. Auch die Ufer an den Sandbänken sind steiler und höher als bisher, denn der Meeresboden steigt an. "Wenn wir den nächsten Priel gequert haben, laufen wir direkt auf den Sand zu." Der ist nun auch deutlich zu erkennen: als schmales, helles Band hebt er sich mit seiner Form und seiner sandhellen Farbe vom grauen Watt ab. Erste Schlickgrasfelder wachsen auf dem Watt, dazwischen stehen viele Tümpel. Noch ist die Gruppe auf dem Meeresboden unterwegs.

Kurz darauf ist der Blauortsand erreicht. Ein Spülsaum zeigt den normalen Hochwasserstand an. Ein zweiter Spülsaum aus Muschelschalen, Seegras und sehr wenig Müll etwas höher markiert den letzten maximalen Wasserstand. Er zeigt: Dies ist keine Sandbank, sondern ein Hochsand, auch Außensand genannt, der selbst bei normalem Hochwasser nicht untergeht. Strömung und Brandung haben diese Hochsände aufgeworfen und verdriften sie beständig nach Osten – nie sind sie so, wie sie es zuvor waren. Der Wattführer erzählt, dass der Blauortsand im vergangenen Winter etwa ein Drittel seiner nicht von der normalen Tide überfluteten Fläche eingebüßt hat. "Der Sand ist seit etwa 200 Jahren bekannt und liegt zwischen den Prielen Süderpiep, Norderpiep und der Eidermündung. Von der Küste erkennt man ihn gut durch die 20 Meter hohe Bake." Er führt die Gruppe in die Landmitte. "Den Küstenbewohnern galt diese Sandbank oft als gespenstisch, wenn dunkle Wolken Schatten auf die Sände im Watt warfen."

Bis heute faszinierend ist der Wechsel zwischen Aufhöhung und Einebnung des Hochsandes und seine Verdriftung, eine Folge der starken Dynamik des Watts. Mitte des 18. Jahrhunderts hatten sich für wenige Jahrzehnte Dünen auf dem Strandwall gebildet, erzählt Franzen weiter. Im Jahr 1818 war Blauortsand rund dreimal so groß wie heute. Zurzeit beträgt seine Größe 30 Hektar – mit abnehmender Tendenz. "Bei mittlerem Tidehochwasser schaut der Blauortsand immer noch gut einen Meter aus dem Wasser heraus", sagt Jan Franzen. Man könnte also theoretisch einen Hochwasserzyklus hier aussitzen.

Die Schritte stapfen durch Sand, grüner, angetrockneter Schlick liegt auf dem Ufer des Hochsandes. Nieselregen empfängt die Gäste und, je höher die Leute steigen, ein zunehmend heftiger Wind. Der Blick zurück offenbart nichts weiter als eine Abfolge verschiedener Grautöne, mal heller, mal dunkler; Wasser, Watt und Himmel. Es ist ein schaurig-schönes Gefühl der vollkommenen Einsamkeit und gleichzeitig eine Freude, es geschafft zu haben. Der beständige Wind treibt Sand vor sich her, es knistert und prasselt leise. Im Westen rollt die Nordsee in mehreren Staffeln und endlosen Wellen auf den Sand, im Osten liegt nur ein großes, leeres Nichts – und dazwischen dieses fragile Stückchen Land, das morgen schon nicht mehr da sein kann. Zeit und Raum, so scheint es, haben sich aufgelöst; es ist eine sonderbare Stille auf diesem Hochsand. Der Wind treibt eine gelbe Styroporboje vor dunklem, regenschwerem Himmel über das Mosaik aus Muscheln und Sand vorbei. Von Irgendwo nach Nirgendwo, ohne Anfang, ohne Ende, Spielball der Naturgewalten – ein Sinnbild für diese wüste, wilde Gegend. An einem Pfahl baumeln Taue verloren im Wind, einzig an den kleinen, mit ein paar Halmen bewachsenen Dünen findet das Auge einen ruhigen, natürlichen Fixpunkt. Immerhin: Zeigt dieses anspruchslose Gras, dass auch hier Leben möglich ist. Im Windschatten von irgendwas Angewehtem oder Angespültem haben sich erste Dünen gebildet – nicht mal kniehoch, doch ist dies der Anfang für die Bildung von Neuland.

Was aus dem Hochsand wird, kann niemand vorhersagen. Was wie eine Illusion aus dem Watt auftauchte, kann bald tatsächlich wieder eine sein, vom Winde verweht.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Nordsee Tourismus. Service.

 


 

Hamburger Abendblatt - von Oliver Abraham - erschienen am 08. August 2016
Wattenmeer

Wanderung durchs friesische Watt zum Bielshövensand

 

Friedrichskoog.  "Büsum Port bitte kommen – Moin! Hier Wattführer Eins. Ich gehe jetzt mit 19 Leuten zum Bielshövensand, Rückkehr in ungefähr vier Stunden. Gute Wache!" Johann Peter "Jan" Franzen steht an einem Priel vor Friedrichskoog-Spitze und meldet die Tour per Seefunk an. Auch die Besatzung des Rettungskreuzers "Theodor Storm" wird per Sprechfunk über die Expedition informiert, die Wasserschutzpolizei Husum übers Mobiltelefon.

Vor uns wartet eine geheimnisvolle Welt aus Wasser und Watt. Und riesigen Sandbänken, die dem Meer entsteigen. Dorthin wollen wir, da müssen wir durch. Jan Franzen wird den Weg wieder finden; durch Priele, die strömen und mäandrieren wie Flüsse auf dem Meeresboden. Durch einen Irrgarten, der immer anders ist. In einer Gegend, die einst unterging und wie eine Fata Morgana immer wieder auftaucht – unbegreiflich, fern und fremd. Gut, dass Rettungskräfte über unsere Wege ins wüste Watt Bescheid wissen.

Die Regenfront ist vorüberge­zogen, die nächsten kommen im Takt tibetischer Gebetsmühlen über die Elbmündung. "Doch", sagt Jan Franzen, "wir gehen! Das Wetter ist kein Problem, der Wind auch nicht. Mit etwas Glück zieht der Regen vorbei." Der vorhergesagte Wasserstand ist wichtig, und der passt heute. Vier-, fünfmal pro Jahr führt Jan Franzen eine Handvoll Wagemutiger von Friedrichskoog ganz weit hinaus in die Elbmündung.

In der Sonne leuchtet das Watt wie geschmolzenes Silber

Wir wollen zum Bielshövensand, einer Sandbank vor der Küste des südlichen Dithmarschens – irgendwo im Nirgendwo. Dies ist keine normale Wattwanderung, das ist ein Abenteuer. Nur wenige Leute können, dürfen dorthin, die Teilnehmerzahl der Touren ist beschränkt. Eine Meeresbodenwanderung hinaus in eine Zwischenwelt, nicht mehr Land, noch nicht Meer. Taucht zweimal am Tag auf und geht wieder unter. Franzen hat ein Zeitfenster, es ist knapp drei Stunden vor Niedrigwasser, und er lotst die Leute durch die ersten Priele; knietiefes Wasser, hüfthohe Hänge – die Starken bleiben im Strom stehen und helfen den Anderen hinüber.

Jan Franzen teilt das ein, er marschiert voran. Es gilt, Strecke zu machen und nicht am Anfang schon zu viel Zeit zu verlieren. "Wir laufen heute 12, 14 Kilometer", erklärt er und peilt mit dem Kompass das Silo von Büsum an, in der Ferne grad noch zu erkennen. Auf zwei Grad geht es fast direkt nach Norden. "Den direkten Weg zum Sand können wir nicht nehmen. Die Priele haben noch zu viel Wasser, als dass wir sie queren können!"

Sonnenstrahlen brechen durch die zerrissene Wolkendecke und jagen über das bleigraue Watt. Wo sie hinscheinen, leuchten Wasser und Schlick auf wie ­geschmolzenes Silber. Das Funkgerät brabbelt vor sich hin, es bleibt an "… so sind wir im Umkreis von 33 Meilen immer erreichbar!" Zur Sicherheit. Sagt Franzen. Ein großer, kräftiger Mann mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in den Dithmarschener Watten. Er flößt Vertrauen ein – wie sonst kann man sich auf solche Ausflüge einlassen?

Nach der Orkanflut nur kleine Sandbänke übrig

Die Gruppe ist jetzt im zügigen Marschiermodus. Meterhohe, dünne Stämmchen, sogenannte Priggen, stehen auf dem Meeresboden. "Sie markieren einen Schifffahrtsweg. Vor uns liegt ein großer Priel, den wir nur an einer Stelle queren können – eine Chance von nicht mal 500 Schritt." Noch eilt das Wasser im Hoogen, diesem großen Priel, mit einem unheimlichen Sog der Nordsee hinterher, wir können ihn dennoch gut passieren. Jan Franzen peilt erneut: 240 Grad, dort sehen wir die Erdölförderstätte Mittelplate.

Franzen, mit der Strecke zufrieden, macht Pause, erklärt: "Westlich vom Festland Süderdithmarschen soll früher die große Insel Landfurth gelegen haben – man schätzt ihren Umfang auf 50 Kilometer. In der mörderischen Orkanflut von 1362, der Rungholtflut, wurde sie so verwüstet, dass nur kleine, feste Sandbänke übrig blieben – Dieksand, Helmsand, Trischen. Auch der Bielshövensand gehörte mit zu Landfurth, er misst als Sandbank heute etwa 400 Hektar und liegt geografisch zwischen Büsum und Friedrichskoog. Bei normaler Tide hat er einen Hochwasserstand von etwas mehr als einen Meter."

Auf einer Karte von vor 1634 finde man nordwestlich von Marne ein bedeutendes Vorland, das Gröne Maifeld heißt, sagt Jan Franzen. Vermutlich haben hier Menschen gewirtschaftet und ihr Vieh geweidet. "Die Nordsee hat viel fruchtbares Land verschlungen, aber sie hat aus den Trümmern neues Dasein geschaffen." Das Wattenmeer ist ein dynamischer Lebensraum, es ist in stetem Wandel, die Nordsee sortiert den Sand immer wieder neu. Was die Elbe einspült, wird von den Strömungen verdriftet und zu Sandbänken aufgeworfen. Was im vergangenen Jahr noch hier war, ist heute längst woanders.

Wir sind an einem Ort, an dem Menschen nicht sein sollten

Das Wasser ist inzwischen so weit abgelaufen – und wir sind so weit draußen –, dass der Bielshövensand auf 310 Grad als helles, gelbes Band im grauen Schlick zu erkennen ist; er hebt sich aus dem Watt hervor, sanft gewölbt wie ein Uhrglas. Eine dunkle Front zieht im Norden vorüber, Büsum versinkt im Regen, hier draußen setzt sich die Sonne durch. Ein Schwarm Knutts, Zugvögel auf der Durchreise von Namibia nach Sibirien, schwirrt um sich selbst und führt einen Tanz auf.

"So", sagt Jan Franzen nach Querung eines weiteren Priels, "jetzt stehen wir auf dem Sockel von Bielshövensand." Eine deutlich buckligere Sandbank als eben erahnt erhebt sich hinter dem Priel, dessen Wasser fast abgelaufen ist. "Hier draußen läuft das Wasser zuerst ab, diese Sandbänke liegen höher als das Watt vor der Küste", erklärt Jan Franzen. Und auch dies: "Hier draußen sieht dich kein Mensch und du hast keine Chance, durch die Priele zu schwimmen, wenn dich das Wasser eingeschlossen hat." Allein hier zu marschieren ist Wahnsinn; Franzens Kenntnis, das Sprechfunkgerät, die mitgeführte Signalpistole vermitteln ein Gefühl der Sicherheit, und Freude kommt auf, an einem Ort zu sein, an dem Menschen eigentlich überhaupt nicht sein sollten.

Einen guten Meter geht es die Sandbank hinauf, hier rasten wir. Waren die Sandbänke auf dem Weg hierher kaum als solche zu erkennen, ist Bielshövensand konturierter und deutlicher, auch die Priele laufen hier schneller und mit klar definiertem Ufer. Der Sand oben auf der Bank ist fast getrocknet, und für kurze Zeit spannt sich ein blauer Himmel bis zum westlichen Horizont. Jan Franzen reicht das Fernglas: "Guck, dort hinten – das sind Kegelrobben." Noch weiter hinten ist die Vogelinsel Trischen zu erkennen. Über den Horizont schieben sich Container-Schiffe. Wir machen Pause, genießen die Sonne, hören dem Wind zu.

"So Leute, wir müssen zurück", ruft Jan Franzen die Gruppe zusammen, "bald ist Niedrigwasser, danach laufen die Priele schnell wieder voll." Der Altfelder Priel, durch den wir müssen, erhält sein Wasser nicht nur vom einlaufenden Flutberg, sondern auch von der Elbe. Jan Franzen geht voran – knietiefer Schlick, hüfthohes Wasser. Ein letzter Blick zurück auf die Sandbank, die langsam in der Ferne verschwindet.

Tipps & Informationen

• Anreise z. B. mit dem Auto über die A 24 nach Friedrichskoog.

• Touren Johann P. Franzen führt in die Watten Dithmarschens neben der beschriebenen Route auch nach Blauortsand oder zum Isern Hinnerk. Für die Tour zum Bielshövensand braucht man eine sportliche Kondition, Länge: 10 bis 14 km, Dauer: bis zu vier Stunden (Wechselwäsche und Proviant mitbringen), 23 Euro pro Person, Kinder ab 12 Jahren 15 Euro.

• Termine In diesem Jahr nur noch am Sa., 13. August, und Sa., 27. August, jeweils 12 Uhr ab Treffpunkt Friedrichskoog-Spitze am Hauptaufgang zum Strand. Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung unter Tel. 04834/984 47 66.

• Info www.zum-wattführer.de

Die Reise wurde unterstützt von Nordsee Tourismus Service.

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Festtage zum 125-jährigen
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Ehrungen gehören zum Programmablauf des Festes:(von links) stellvertretender Wehrführer Peter Kießling, Pay-Willi Jochims, Heinz Struve, Hans-Hermann Voss, Johann Peter Franzen und Wehrführer Sönke Tiedemann

Busenwurth (rd) Die Freiwillige Feuerwehr Busenwurth gibt es seit 125 Jahren - Grund genug, das in würdigem Rahmen zu feiern. Eine Vorbereitungszeit von drei Jahren war erforderlich, um zwei bis ins Detail geplante Festtage zu begehen.

60 Uniformträger und viele Gäste nahmen, angeführt vom örtlichen Feuerwehrmusikzug und sechs Fahnenabordnungen, an einem Umzug teil, der durch das festlich geschmückte Dorf führte und in eine Kranzniederlegung mündete. In einer Werkshalle fand anschließend der Festkommerz statt.

Wehrführer Sönke Tiedemann zeigte sich sichtlich erfreut über das Erscheinen von Landes- und Kreisbrandmeister, Amtswehrführer sowie politischen Vertretern. Er hielt einen Rückblick auf Leistung und Entwicklung der Kameradschaft in 125 Jahren. Schmissige Klänge des Musikzuges untermalten die Veranstaltung.

Nach einer Kaffeetafel folgten Grußworte der Gäste. Auch bot der Festakt Gelegenheit, zahlreiche Ehrungen und Beförderungen durchzuführen. Die Feuerwehr Busenwurth zählt mehr als 35 Aktive mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren. Verdiente und aktive junge Mitglieder wurden zum Oberfeuerwehrmann oder auch zum Hauptfeuerwehrmann befördert.

Große Ehre wurde Pay-Willi Jochims, Heinz Struve und Bürgermeister Hans-Hermann Voss zuteil. Ihnen wurde die Verdienstauszeichnung für 60 Jahre Mitgliedschaft verliehen. Johann Peter Franzen wurde nach langjähriger Vorstandsarbeit zum Ehrenmitglied ernannt. Beendet wurde der Tag abends mit einem Festball im Dithmarscher Eck.

Der nächste Tag wurde eingeläutet durch einen Gottesdienst anlässlich des Jubiläums. Anschließend brachten die Klänge der Wacken-Firefighters (Musikzug Wacken) die Besucher in zünftige Frühschoppenlaune. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Fahrzeugschau von Einsatzfahrzeugen, Hilfsorganisationen und Sonderfahrzeuge.

Quelle: Boyens Zeitungen vom 10.07.2015

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